Finnisches Essen & Trinken: 10 Spezialitäten, die du probieren musst + 2 einfache Rezepte
Aktualisiert: vor 20 Stunden
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Wenn ich an finnisches Essen denke, denke ich zuerst an einen dampfenden Teller Lohikeitto. Draußen ist es grau, vielleicht liegt schon der erste Schnee, und drinnen steht diese cremige Lachssuppe mit Dill auf dem Tisch. Für mich ist das Finnland pur.
Seit 2018 lebe ich in Südkarelien – und habe mich durch so ziemlich alles probiert, was die finnische Küche zu bieten hat. Manches liebe ich. Manches esse ich nur unter bestimmten Bedingungen. Und vor manchem nehme ich als Deutscher ehrlich gesagt die Beine in die Hand.
In diesem Artikel zeige ich dir 10 typische Spezialitäten, die wichtigsten Getränke und 2 einfache Rezepte, mit denen du dir ein Stück Finnland nach Hause holst.
Was isst man eigentlich in Finnland?
Die finnische Küche ist einfach, ehrlich und stark von der Natur geprägt. Was im Wald, im See und auf dem Feld wächst, landet auf dem Teller.
Fisch aus Ostsee und Seen – vor allem Lachs, Maräne und Barsch
Roggen – als dunkles, saures Brot und als Teig für Piroggen
Beeren aus dem Wald – Blaubeeren, Preiselbeeren, Moltebeeren
Kartoffeln, Milchprodukte und Wild wie Rentier
Raffinierte Saucen suchst du meist vergeblich. Dafür schmeckt vieles so, wie es schmecken soll.
10 finnische Spezialitäten, die du probieren solltest
1. Karjalanpiirakka – Karelische Piroggen
Die kleinen, ovalen Roggentaschen mit Reisbrei-Füllung sind das Nationalgebäck – und kommen ursprünglich aus meiner Wahlheimat Karelien. Gegessen werden sie mit Munavoi, einer Eierbutter.
Meine ehrliche Meinung: Ich esse sie nur, wenn sie ganz frisch sind – am besten noch warm aus dem Ofen. Aus der Supermarkt-Packung vom Vortag? Nicht mein Favorit. Frisch gebacken aber sind sie wirklich etwas Besonderes. Das Rezept findest du weiter unten.
2. Ruisleipä – finnisches Roggenbrot
Dunkel, kompakt und leicht säuerlich. Ruisleipä gibt es zu fast jeder Mahlzeit. Die flache Variante mit Loch in der Mitte heißt Reikäleipä und stammt aus Westfinnland: Früher wurde sie auf Stangen unter der Küchendecke getrocknet und so über den langen Winter gelagert. Bei uns im Osten, in Karelien, ist dagegen eher der dicke Laib (Ruislimppu) verbreitet.
3. Lohikeitto – Lachssuppe
Mein absolutes Lieblingsgericht in Finnland. Lachs, Kartoffeln, etwas Sahne, Piment und viel frischer Dill – mehr braucht es nicht. Sie ist einfach, wärmt von innen und schmeckt im Winter genauso gut wie im Mökki am See. Auch dazu gibt es unten mein Rezept.
4. Poronkäristys – geschnetzeltes Rentier
Hauchdünn geschnittenes Rentierfleisch, in Butter geschmort und klassisch mit Kartoffelpüree, Preiselbeeren und Gurke serviert. Ein Gericht, das du vor allem in Lappland überall findest.
5. Leipäjuusto – „Quietschkäse“
Ein milder, gebackener Käse, der beim Kauen leicht quietscht. Er wird gern warm gegessen – oft mit Moltebeermarmelade.
6. Korvapuusti – Zimtschnecken
Die finnische Antwort auf die Zimtschnecke, mit Kardamom im Teig. Der Name bedeutet wörtlich so viel wie „Ohrfeige“. Zu einer Tasse Kaffee gehört eine Korvapuusti einfach dazu.
7. Mustikkapiirakka – Blaubeerkuchen
Im Spätsommer sind die Wälder voller Blaubeeren. Daraus wird ein einfacher Blechkuchen mit saftiger Beerenschicht – oft mit Vanillesauce oder Eis.
8. Salmiakki – salziges Lakritz
Schwarz, salzig und mit Ammoniumchlorid gewürzt. Finnen lieben es, Besucher sind meist … sagen wir: überrascht. Probier es auf jeden Fall einmal – aber nimm nicht gleich die ganze Tüte.
9. Mämmi – das Osterdessert
Eine dunkelbraune Masse aus Roggenmehl und Malz, die traditionell an Ostern gegessen wird – mit Sahne und Zucker. Optisch gewöhnungsbedürftig, geschmacklich überraschend mild und malzig.
10. Makkara – finnische Wurst
Grillwurst gehört in Finnland zum Sommer, zum Lagerfeuer und natürlich zur Sauna. Lenkki, Grillimakkara, Saunamakkara – die Auswahl im Supermarkt ist riesig.
Und hier bin ich ganz ehrlich: Als Deutscher nehme ich bei finnischer Wurst die Beine in die Hand. Wer mit deutscher Bratwurst aufgewachsen ist, wird hier eher nicht glücklich. Für Finnen dagegen gehört die Wurst nach der Sauna einfach dazu – und genau deshalb steht sie auf dieser Liste.
💡 Lese-Tipp: Wie Sauna, Grillwurst und Sommerhaus zusammengehören, erfährst du in meinem Artikel über Mökki & Saunakultur in Finnland.
Was trinkt man in Finnland?
Kaffee – ohne geht nichts
Finnland gehört zu den Ländern mit dem höchsten Kaffeekonsum pro Kopf weltweit – je nach Statistik sind es rund 10 bis 12 Kilo Kaffee pro Person und Jahr. Getrunken wird meist heller geröstet und filterkaffee-stark. Kaffeepausen sind in vielen Betrieben fester Bestandteil des Arbeitstags.
Tipp für zu Hause: In einer Mumin-Tasse von Arabia* schmeckt dein Filterkaffee gleich ein bisschen finnischer.
Kotikalja – das „Hausbier“
Ein dunkles, leicht süßliches Malzgetränk mit sehr wenig oder ganz ohne Alkohol. Gibt es oft zum Mittagessen in Kantinen.
Lonkero – der finnische Longdrink
Gin mit Grapefruit-Limonade, fertig gemischt aus der Dose. Erfunden wurde er für die Olympischen Spiele 1952 in Helsinki – Alko brachte ihn damals zusammen mit Hartwall als fertige Mischung heraus, damit die Bars den Besucheransturm bewältigen konnten. Im Sommer ist Lonkero allgegenwärtig.
Glögi – Glühwein auf Finnisch
In der Adventszeit gibt es Glögi mit Mandeln und Rosinen im Glas – mit oder ohne Alkohol.
Koskenkorva – der klare Klassiker
Der bekannteste finnische Wodka – und den bekommst du nicht im Supermarkt, sondern nur im staatlichen Geschäft Alko. Seit Juni 2024 dürfen Supermärkte Bier und Wein bis 8 % verkaufen, Longdrinks wie Lonkero bis 5,5 %. Alles Stärkere gibt es nur bei Alko.
Praktischer Tipp: Lebensmittel und Getränke sind in Finnland spürbar teurer als in Deutschland. Was ein Einkauf wirklich kostet, habe ich in meinem Artikel zu den Lebenshaltungskosten in Finnland 2026 zusammengestellt.
Rezept 1: Karjalanpiirakat – Karelische Piroggen mit Eierbutter

Für ca. 20 Stück · Zubereitung ca. 2 Stunden
Für die Füllung (Reisbrei):
150 g Milchreis (Rundkornreis)
200 ml Wasser
1 l Milch
1 TL Salz
Für den Teig:
200 ml kaltes Wasser
1 TL Salz
ca. 300 g Roggenmehl
ca. 100 g Weizenmehl
Zum Bestreichen: 50 g Butter, in 100 ml Milch geschmolzen
Für die Eierbutter (Munavoi): 3 hart gekochte Eier, 100 g weiche Butter, eine Prise Salz
So geht's:
Reis im Wasser aufkochen, bis das Wasser fast aufgesogen ist. Milch dazugeben und bei kleiner Hitze unter häufigem Rühren ca. 40 Minuten zu einem dicken Brei kochen. Salzen und abkühlen lassen.
Für den Teig Wasser, Salz und Mehl zu einem festen, glatten Teig kneten.
Teig zu einer Rolle formen, in ca. 20 Stücke teilen und jedes Stück zu einem sehr dünnen, ovalen Fladen ausrollen.
1–2 EL Reisbrei in die Mitte geben, den Rand nach innen falten und rundherum zusammenkneifen – die Füllung bleibt in der Mitte sichtbar.
Im sehr heißen Ofen bei 250–300 °C für etwa 15 Minuten backen – so heiß, wie dein Ofen es hergibt –, bis die Ränder leicht braun sind.
Sofort mit der Butter-Milch bestreichen und unter einem Tuch kurz ruhen lassen – so werden sie weich.
Für die Eierbutter die Eier fein hacken und mit Butter und Salz verrühren.
Mein Tipp: Iss sie direkt warm. Genau dann schmecken sie am besten – und genau dann mag ich sie auch.
Rezept 2: Lohikeitto – finnische Lachssuppe

Für 4 Personen · Zubereitung ca. 40 Minuten
Zutaten:
500 g Lachsfilet ohne Haut
600 g festkochende Kartoffeln
1 Zwiebel oder 1 kleine Stange Lauch
1–2 Möhren (optional)
1 l Fischfond oder Wasser
200 ml Sahne
5–6 Pimentkörner, 1 Lorbeerblatt
1 EL Butter
1 Bund frischer Dill
Salz, Pfeffer
So geht's:
Zwiebel bzw. Lauch klein schneiden und in Butter glasig dünsten.
Kartoffeln und Möhren schälen, würfeln und dazugeben. Mit Fond oder Wasser auffüllen, Piment und Lorbeer hinzufügen.
Etwa 15 Minuten köcheln lassen, bis die Kartoffeln fast weich sind.
Lachs in mundgerechte Würfel schneiden, mit der Sahne in den Topf geben und bei kleiner Hitze 5–7 Minuten ziehen lassen – nicht mehr kochen, sonst wird der Lachs trocken.
Mit Salz und Pfeffer abschmecken, Lorbeer entfernen und mit reichlich gehacktem Dill servieren.
Dazu passt: eine Scheibe Ruisleipä mit Butter. So isst man Lohikeitto in Finnland.
Essen auf Finnisch: die wichtigsten Wörter
🇫🇮 Mini-Vokabelliste für Restaurant & Supermarkt • ruoka – Essen • keitto – Suppe • leipä – Brot • kala – Fisch · lohi – Lachs • kahvi – Kaffee • kiitos – danke • hyvää ruokahalua – guten Appetit Mein Tipp für den Sprachstart: Wenn du nicht nur die Speisekarte, sondern auch den Alltag verstehen willst, teste dein Niveau mit diesem kostenlosen 3-Minuten-Einstufungstest* – oder schau dir meinen Guide zum Finnisch lernen für Anfänger an.
Mein Fazit
Die finnische Küche ist nicht spektakulär – aber sie ist ehrlich, saisonal und gemütlich. Mein Rat: Fang mit einer Lachssuppe an, probier die Karelischen Piroggen frisch und wag dich einmal an Salmiakki. Und bei der Wurst? Da darfst du dir als Deutscher dein eigenes Urteil bilden.
Wenn du im Sommer kommst, erlebst du übrigens viele dieser Gerichte beim Mittsommerfest. Wie Finnen Juhannus feiern, liest du hier: Juhannus 2026: So feierst du Mittsommer wie ein echter Finne.
✈️ Auf deiner Finnland-Reise probieren: Lohikeitto und Karelische Piroggen schmecken vor Ort am besten. Wenn deine Reise noch nicht steht, kannst du Flug und Hotel für Finnland hier vergleichen*.
Lesetipp: Wer die Finnen samt ihren Eigenheiten besser verstehen will, findet in der „Gebrauchsanweisung für Finnland“* einen Einstieg in den finnischen Alltag.
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Hyvää ruokahalua – und Moikka!
Micha vom Finnlandclub
Transparenz: Einige Bilder in diesem Artikel wurden mit KI erstellt; Bilder, die wie Fotos wirken, sind mit „KI“ gekennzeichnet.






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